Wie uns Masken verändern

Herr Eric Standop ist der Gründer und Betreiber der “Face Reading Academy“. Seine Expertise ist Gesichtlesen und Antlitz-Diagnostik. Eine seiner Kernaussagen lautet: “Das Gesicht ist ein Buch, an dem wir ein Leben lang schreiben.”

Auf Youtube veröffentlichte Herr Eric Standop am 17. Mai 2020 ein 15minütiges Video zur aktuellen Lage der Maskenpflicht in Deutschland. Seine Erläuterungen unterscheiden sich wesentlich von anderen Youtube Clips, welche das Thema Mundschutz und Masken thematisieren, weshalb wir seine interessanten und klugen Aussagen für Sie protokolliert haben.

(Protokollierung / Hygiene Journal 21.05.2020)

Zitat: “In Zeiten, in denen wir aufgefordert werden Masken zu tragen, lassen viele ihre Masken fallen. Und zeigen ihr wahres Gesicht. (…) In diesem Video geht es nicht um Sinn oder Unsinn sogenannter Schutzmasken. In diesem Video geht es auch nicht darum, dass die mit den Masken die Guten sind und die ohne die Bösen; oder umgekehrt. Es soll nicht gehen um Sorglosigkeit oder Hysterie. In diesem Video geht es darum, was Masken aus uns machen. Was sie mit uns machen; kurzfristig oder langfristig. Lass Dich überraschen.

In einer Talksendung im ZDF habe ich neulich einen Psychologen gesehen. Er teilte uns mit, dass wir nicht den Begriff Maske nutzen sollten, sondern doch lieber von Mundschutz sprechen sollten. Denn Masken – das ist ein Begriff, der ängstige uns. Und der Begriff Mundschutz wäre doch viel trefflicher. So ganz stimmt das natürlich nicht. Denn wir schützen nicht nur unseren Mund, sondern auch die Nase. Und wenn mehr als die Hälfte unseres Gesichtes bedeckt ist, häufig sogar 2/3 des Gesichtes, dann können wir nicht mehr von Mundschutz sprechen. Wir sprechen auch nicht von Augenschutz, wenn wir eine Augenmaske tragen; oder von Augendekoration. Auch dann sprechen wir von einer Maske. Deshalb, bleiben wir doch bei dem Begriff Maske. Denn die Maske ist ein sehr alter Begriff. Sie kommt aus dem Arabischen, Maschara. Maschara steht auch für Narr, oder für Scherz, oder Hänselei. Die Maske hat eine lange Tradition in Theater, in Kunst, – auch zu rituellen Zwecken. Die Maske wird immer dann genutzt, um jemanden darzustellen, der man nicht ist. – Oder, der man nicht mehr ist. Denken wir mal nur an die Totenmaske. Masken sorgen also auch für eine gewisse Art von Anonymität. Verfälschen möglicherweise auch eine Persönlichkeit. Geben uns eine andere Identität.

Unlängst titelte die South China Morning Post, die in Hongkong erscheint, “We are dogs without tails”, wir sind Hunde ohne Schwanz. Und in diesem Artikel da ging es um Maske. Denn mit Masken im Gesicht – vor allem Masken die einen Großteil unseres Gesichtes bedecken, sind wir nicht mehr fähig uns korrekt, zu 100% mitzuteilen. Es fehlen uns Mittel der menschlichen Kommunikation. Die menschliche Interaktion ist eingeschränkt. Was fühlt ein Mensch? Was denkt ein Mensch? Wie kann ich mich selbst non-verbal mitteilen? All das ist eingeschränkt, wenn wir eine Maske tragen. Die Maske blockiert die Kommunikation, unseren Austausch. Und der ist ganz wichtig, nicht umsonst haben wir Menschen Spiegel-Neuronen, die 1996 von einem italienischen Professor gefunden worden sind. Diese Spiegel-Neuronen helfen uns zu kommunizieren, aber auch empathisch zu sein; und sei es nur kognitiv empathisch, also über den Verstand. Diese Empathie ist ganz wichtig für unseren Austausch, damit wir wissen was im Anderen vorgeht. Vielleicht hast Du auch schon vor kurzem erlebt, dass Du mit einer Maske in ein Café gegangen bist, eine Kaffee bestellt hast, – man hat Dich gar nicht verstanden, denn die Maske blockierte auch viele Worte. Es kommt da manchmal zu lustigen Situationen, manchmal auch zu weniger freundlichen Situationen, weil die Menschen dann sehr gestresst sind.

Professor Dan Everett vom Bentley College in Massachusetts hat sich auch mit diesem Phänomen beschäftigt und er sagt, das Gesicht ist der Mittelpunkt eben nicht nur unserer Kommunikation, sondern noch viel mehr als das. Es zeigt unsere Persönlichkeit, unseren Charakter, unsere Identität. Das ist genau das, was auch Gesicht-Leser sagen. Das Gesicht ist das Tor zu dem, wer wir sind.

Doch wer sind wir noch, wenn wir uns alle hinter Masken verbergen müssen? Die Masken kannten bisher viele aus den Medien, also Teil der Vermummung. Die Polizei war vermummt, es wurde Tränengas geschossen, die Demonstranten waren vermummt, denn sie wollten das Tränengas nicht einatmen. Und von daher ist die Maske natürlich ein wenig negativ besetzt. Denken wir aber auch an die Masken in vielen Filmen, in Comics, dort gibt es Superhelden, die Masken tragen. Oder aber auch die Fieslinge. Aber auch in der Musik, im Kino ist die Maske sehr beliebt. Denken wir an die Rockband KISS, oder an Lady Gaga. Es gibt also viele Gründe die Maske etwas breiter anzuschauen. Nicht nur in ihrer Schutzfunktion, oder in einer Funktion sich zu verstecken. Die Maske ist eben doch häufig ein Zeichen für Mysteriöses, für manche vielleicht etwas Bedrohliches und für Misstrauen. Dafür gibt es einen guten Grund, denn die Maske verhindert das Erkennen des anderen. Die Maske verhindert, dass wir empathisch sind. Die Maske verhindert, dass wir non-verbales lesen, obwohl das doch mehr als 85% – auch das ist längst erforscht, – ausmacht.

Tragen Menschen Masken, sorgt dies für Desorientierung auf der anderen Seite. Bei dem Menschen, der möglichweise auch eine Maske trägt, oder auch keine trägt. Wenn Hinweise abgeschnitten sind fokussieren wir uns nur noch auf das Ergebnis und prozessieren, nachvollziehen, nichts mehr. Wir sehen also nur noch das Ergebnis, können aber nicht mehr nachvollziehen, wie es zu einer Bestellung kam, oder zu einem Auftrag, oder zu einem Befehl. Es ist perfekt für Befehle. Es ist perfekt für Anordnungen. Die Maske ist auch perfekt dafür da, um Aufträge anzunehmen. Nicht mehr zu hinterfragen, nicht mehr abzulehnen oder zuzustimmen. Die Individualität geht dabei verloren. Weil wir “es” nicht mehr nachvollziehen können, was in dem Anderen vor sich geht. Wenn er uns einen Auftrag gibt, einen Befehl, oder eine Order.

Wissenschaftler der Adelphi University in New York und vom Hope College in Michigan haben sich diesem Phänomen genauer angenommen. Und natürlich ist unser Mund bedeckt, auch die Nase und wir sehen nur noch die Augen und die Augenbraue, dann sind wir immer noch im Rätseln. Denn wenn die Augenbraue zum Beispiel gehoben werden, dann können wir nur raten. Ist hier jetzt jemand verärgert, konfus, durcheinander, oder hat er nur keine Brille auf und justiert seine Augen? Wir müssen uns also fragen, warum tragen wir eine Maske. Ist das wirklich aus Hygiene und Gesundheitsschutz, oder gibt es auch andere Gründe? In Zeiten von Corona, COVID-19 können wir sagen, wir tragen die Maske aus Gesundheitsschutz und wahrscheinlich tun das auch die Meisten.

In Ländern, die jetzt gerade sehr hoch gehalten werden, die asiatischen Länder, gibt es längst andere Gründe auch eine Maske zu tragen. Dort wird die Maske eben nicht nur aus Gründen der Gesundheitshygiene getragen. Studien in Japan zeigen, dass die Maske vor allem bei Frauen nicht aus hygienischen Gründen getragen werden, sondern um nicht angesprochen zu werden, um nicht belästigt zu werden. Um einen privaten Raum zu haben. In einer vollbesetzten U-Bahn, aber auch an anderen Orten, wo man auf viele Menschen trifft. Denken wir mal an die Superstars, an die Sportler, wenn sie aus ihrem Bus steigen, die Fußballer, die sind ja jetzt gerade großes Thema. Was werden sie aufhaben? Mit Sicherheit Sonnenbrillen, und Ohrschutz jetzt auch bald Mundschutz. Warum tun sie das? Sie brauchen Abstand. Sie wollen sich vielleicht noch mal sammeln vor dem Spiel. Vielleicht wollen sie aber auch nur einen privaten Raum und sich eben nicht austauschen mit einem anderen Menschen.

Eine Maske zu tragen gibt uns eine gewisse Sicherheit, aber manchmal geht es da gar nicht um Gesundheit. Vielleicht um mentale Gesundheit. Wir wollen aber erstmal eines, wir wollen Abstand zu den anderen. Das macht die Maske auf jeden Fall mit uns. Die Maske schränkt uns nicht nur ein, sie verändert uns. Sie wird uns auch auf Dauer verändern. Wenn wir auf Dauer nicht mehr kommunizieren können, über Auge, Mund, über unsere Mimik, über ein Lächeln, über ein angewidert sein, über non-verbale Kommunikation, dann geht uns ein großes Stück an Empathie verloren. Ein großes Stück an Menschlichkeit. Das heißt, wir werden uns nur noch über Worte mitteilen können, die allerdings so oder so ausgelegt werden können. Aber selbst die Worte einer Mundschutzmaske sind möglicherweise nicht mehr so gut verständlich.

Das Tragen einer Maske soll uns Sicherheit geben. Tatsächlich macht es eine Gruppe auch ängstlich; wenn alle mit Masken herumlaufen. Eine andere Gruppe hat eine Scheinsicherheit und vernachlässigt Hygieneregeln oder Abstandsregeln. Einige wird die Maske aber auch sicherer machen, die mehr Sicherheit gibt. Studien zeigen, in der Vergangenheit, das Masken einen sehr starken Einfluss auf die menschliche Interaktion, auch auf die Psyche und das Verhalten von Menschen ausübt.

1971 hat die Stanford University in einem viel beachteten Test bereits gezeigt, das Menschen unter gewissen Voraussetzungen bereit sind ihre Persönlichkeit fallen zu lassen, ihre Menschlichkeit gehen zu lassen, und sich gemäß einer Rolle zu verhalten, wenn die Umstände dazu einladen. Dazu machte man aus ganz normalen Studenten “Wärter” oder “Gefangene”. Eines der Hilfsmittel waren Masken, die man auch mal dem Gefangenen überstülpte; und es waren auch spiegelverglaste Sonnenbrillen, die man den sogenannten Polizisten aufsetzte, um sie ein wenig zu entmenschlichen, in eine Rolle zu versetzen. Diese Studie brachte besorgniserregendes zutage. Menschen verließen ihre Menschlichkeit und lebten eine Rolle, sehr entschieden, sehr radikal. 1979 hat die Purdue University ebenfalls eine interessante Studie zum Thema Masken veröffentlicht. Dort hat man Kindern an Halloween verschiedene gruselige Masken aufgesetzt und geschaut, wie verhalten sich Kinder an Halloween mit oder ohne Maske. Kinder mit Maske waren viel mehr bereit Gewalt auszuüben, um an mehr Süßigkeiten zu gelangen. Sie waren viel mehr bereit aus ihrer Persönlichkeit heraus zu schlüpfen und die Rolle der Maske anzunehmen.

Die neueste Studie, die mir in die Hände fiel, war die Studie der Toronto University aus dem Jahr 2010. Auch dort wurde der Effekt von Masken auf Menschen getestet und man hat festgestellt, dass die Menschen viel gewaltbereiter, isolierter und weniger großzügig sind. Es wurde zum Beispiel auch festgestellt, dass – wenn man von einer Polizeistreife gestoppt wird, und mit einem Polizisten auf dem Highway in den USA zu tun hat, der eine Sonnenbrille trägt, wo man eben nicht die Augen sehen kann, sondern sich selbst nur sieht, dass man dann viel häufiger tatsächlich einen gut dotierten Strafzettel bekommt, anstatt das man mit einem Vergehen auch mal fahren gelassen wird. Masken haben also große Effekte auf eine Situation. Auf uns selbst. Auf wie wir uns verhalten. Vielleicht hast Du das auch schon bemerkt, im Miteinander, auf der Straße. Was können wir denn tun, wenn wir jetzt tatsächlich Masken tragen sollen? Wie gesagt, in diesem Video soll es nicht um den Sinn oder Unsinn gehen. Aber mir bleibt ja gar nichts anderes übrig als eine Maske zu tragen, wenn ich in einen Supermarkt gehe. Ich kann nur dazu auffordern, dass wir versuchen unsere Individualität weiter beizubehalten. Und das kann man auch mit einer Maske. Zum Beispiel könnt Ihr eine Maske bemalen. Mit dem Lippenstift ein großes Lächeln auf den Mund. Das signalisiert bereits den anderen, im Supermarkt, “ja ich trage eine Maske, aber ich bin eigentlich ein netter Kerl. Ich bin gut drauf. Vor mir musst Du keine Angst haben” Oder eine Maske die man selbst gebastelt hat, oder selbst bemalt hat. Es gibt sehr individuelle Masken mit Mustern, es gibt bereits auch Masken mit Totenschädel drauf, Masken mit martialischen Zeichen drauf, auch da erfährt man ein wenig über das Seelenleben vom Träger dieser Maske.

Eine sehr positive Folge vom Tragen von Masken – zur Zeit jedenfalls – wäre, dass wir viel mehr aufgefordert sind in Konversation zu treten. Das wir uns eben nicht nur schnell non-verbal abchecken, kurz schauen, welche Mimik hat den dieser Mensch, oder welche Körpersprache, sondern, dass wir tatsächlich ins Gespräch kommen. Auch wenn die Maske das ein wenig behindern sollte. Die Frage ist nur: werden wir das wirklich tun? Tatsächlich müssen wir jetzt mehr miteinander sprechen, nicht weniger, sonst wird die Maske schlimmes anrichten. Wir müssen mehr in den Austausch kommen, sonst entsteht noch mehr Konfusion. Im Austausch miteinander sind wir jetzt auf einen ganz kleinen Bereich beschränkt, den rund um die Augen. Und wenn die noch bedeckt sind mit einer Brille, dann wird es richtig schwer. Die Frage ist also: wie werden wir aus dieser Phase des Maskentragens herauskommen? Werden wir mehr Empathie für den anderen haben, oder werden wir Empathie verloren haben? Werden wir uns zurückziehen in eine Höhle, mehr Individualität leben, oder sind wir bereit empathisch zu sein und uns auszutauschen mit den anderen? Eine Antwort drauf, können wir heute noch nicht geben. Wir können uns aber heute schon bewusst machen, dass wir mit Masken einen Teil unserer Menschlichkeit verdecken. Und das wir diesen Teil an einer anderen Stelle wieder zurückholen sollen. Durch Gesten, durch mehr Kommunikation, durch mehr Interaktion auf anderer Ebene.

Vielleicht werden wir aber auch mediale Wesen und tauschen uns nur noch per Gedanken aus, miteinander. So, wie man es uns ohnehin prophezeit. So soll es eines Tages kommen. Soweit sind wir aber noch nicht, ich bin auch froh, dass ich hier sprechen darf, nicht per Gedankenaustausch dieses Video an Dich weitersenden darf. ”

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